Sturzpräventionstraining für Senioren

Freya Ritter packt beherzt die Stange mit den Gewichten, bewegt die 30 Kilogramm gleichmäßig hoch und runter und atmet dazu im gleichmäßigen Rhythmus. Die 72-Jährige nahm an der Studie zur Sturzprävention teil, die Anfang 2014 am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Kassel stattfand.

Die Seniorin aus Ihringshausen wirkt fit und voller Elan. Dennoch hat sie Sorge, eines Tages unglücklich hinzufallen. „Man wird schon unsicherer beim Gehen“, sagt sie. „Das merke ich zum Beispiel, wenn ich die Treppe runtergehe.“ Zehn Wochen lang – noch bis Ende März – absolviert sie jetzt zweimal pro Woche ein spezielles Training im Fitness-Studio der Universität an der Damaschkestraße.

Insgesamt 85 Senioren aus der Region im Alter zwischen 65 und 80 Jahren nahmen an der Studie teil, bei der drei verschiedene Trainingsmethoden verglichen wurden, um herauszufinden, welche davon Stürzen am besten vorbeugt.

Drei Methoden im Vergleich
Neben einem normalen Kraft- und Gerätetraining, wie es Freya Ritter macht, gab es zwei weitere Methoden, bei denen zusätzlich Instabilitäten in die Übungen eingebaut waren. So arbeitete eine Gruppe an Trainingsgeräten und sitzt dabei auf wackeligen Luftkissen unter Po oder Füßen. „Dadurch wird neben der Arbeitsmuskulatur auch die stabilisierende Muskulatur trainiert“, erklärt Prof. Armin Kibele, der die Studie leitet.

Eine dritte Gruppe arbeitete mit freien Hanteln auf instabilen Untergründen wie zum Beispiel Wackelbrettern.

Die Studienteilnehmerinnen Ursula Lohne (68) und Petra Aulepp (69) machen darauf leichte Kniebeugen und bemühen sich, dabei nicht das Gleichgewicht zu verlieren. Es ist eine Übung, die auch für geübte Sportler ungewohnt ist. Die Kasselerin Petra Aulepp hat den Eindruck, das Training wirkt: „Ich bin schon etwas weniger wackelig unterwegs, glaube ich.“

Mit der wissenschaftlichen Auswertung soll gezeigt werden, welche Methode tatsächlich die beste vorbeugende Wirkung hat. Erwiesen ist, dass sowohl durch Krafttraining als auch durch Gleichgewichtstraining das Sturzrisiko vermindert werden kann, sagt der Sportprofessor. „Ob es einen additiven Effekt gibt, wenn man beide Methoden kombiniert, soll unsere Studie zeigen“, so Kibele.

Im Leistungssport werde das Training mit Instabilitäten bereits angewendet. „Spitzensportler haben gute Erfahrungen damit gemacht, aber wissenschaftlich ausgewertet ist es für die Sturzprävention noch nicht“, sagt Doktorand Nils Eckardt, der die Studie fachlich begleitet. Nach dem Ende der Trainingsphase wurde in speziellen Kraft- und Gleichgewichtstests, die die Teilnehmer auch zu Beginn absolviert haben, untersucht ob und wie stark sich das Sturzrisiko in den drei Gruppen verringert hat.

Die Ergebnisse wurden im Herbst 2014 erstmalig auf einer Sturzpräventionskonferenz in Köln vorgestellt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass alle 3 Trainingsvarianten: 1. Krafttraining an Maschinen, 2. Krafttraining unter instabilen Bedingungen an Maschinen und 3. Freihanteltraining unter instabilen Bedingungen; alle Sturzrisikofaktoren gesenkt haben. Das wirklich neue an der TASK / IfSS Studie ist die Einbeziehung von Krafttraining unter instabilen Bedingungen bzgl. Sturzprävention für Senioren. Dies wurde bisher so noch nicht untersucht. Interessant ist im Ergebnis, dass Gruppe 3 mit bis zu 50% weniger Last trainiert hat (aufgrund der höheren Instabilität) und trotzdem vergleichbare Zuwächse in Kraft und Gleichgewicht erfahren hat. Insbesondere für Senioren, die nicht immer mit schweren Lasten trainieren können, ein wichtiger Erkenntnisgewinn. Ziel ist es nun, dieses Trainingswissen, Senioren, Vereinen, Studios und Therapeuten, sowie der Fachpresse zur Verfügung zu stellen.

(Quelle: Katja Rudolph, Hessische/Niedersächsische Allgemeine)

Sportwissenschaften

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